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Duftlexikon · Holz & Erde

Myrte im Parfüm: grün, herb, mediterran

Myrte riecht grün, herb und leicht campherartig, wie ein Spaziergang durch mediterranes Gebüsch nach einem Regenschauer.

Zweig der Myrtenpflanze mit schmalen, glänzenden Blättern und weißen Blüten vor mediterranem Hintergrund
Myrtenzweige mit ihren ledrigen, ätherisch duftenden Blättern, die Basis für das kühl-grüne Myrtenöl.
Die kurze Antwort

Myrte ist eine grüne, herb-frische Kräuternote aus dem Öl der Myrtenblätter mit leicht campherartigem, würzigem Unterton. Sie sitzt meist in der Kopf- bis Herznote und verleiht Düften ein mediterranes, kühl-frisches Profil, das zwischen Kräutergarten und Macchia changiert.

So riecht Myrte: drei Alltagsvergleiche

Wer an einem Myrtenstrauch reibt, riecht zuerst etwas Grünes und Herbes, vergleichbar mit frisch zerriebenen Lorbeerblättern, deren ätherisches Aroma sich sofort und intensiv entfaltet. Gleichzeitig liegt darunter eine kühle, fast medizinische Facette, wie man sie von Eukalyptusbonbons kennt, allerdings deutlich zurückhaltender und ohne die süße Schärfe von Menthol. Ein dritter Eindruck erinnert an trockenes Buschwerk in der Mittagssonne, jenes harzig-staubige Kräuteraroma, das man aus der mediterranen Macchia kennt, wenn Sonne auf immergrüne Blätter trifft.

Zu Beginn wirkt Myrte klar, scharf und geradezu elektrisierend grün. Innerhalb weniger Minuten wird sie weicher und legt eine leicht süßliche, kräuterige Tiefe frei, die an Wacholderbeeren oder frisches Lorbeeröl erinnert, bevor sie sich langsam zurückzieht und Raum für andere Noten schafft.

Herkunft und Botanik

Die Myrte, botanisch Myrtus communis, ist ein immergrüner Strauch aus der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae), zu der auch Eukalyptus und Gewürznelke zählen. Sie wächst wild im gesamten Mittelmeerraum, von Südspanien und Sardinien über Süditalien und Griechenland bis nach Nordafrika und Kleinasien, und ist seit der Antike als Zier, Heil und Gewürzpflanze bekannt. Die schmalen, ledrigen Blätter glänzen dunkelgrün und setzen bei Berührung sofort ihr charakteristisches Aroma frei, während im Sommer zarte weiße Blüten erscheinen, aus denen später dunkle Beeren reifen.

Für die Parfümerie werden vor allem die Blätter und jungen Zweige genutzt, wobei Korsika und Marokko als bedeutende Anbau und Sammelregionen für hochwertiges Myrtenöl gelten.

Gewinnung: Wasserdampfdestillation der Blätter

Myrtenöl wird klassisch durch Wasserdampfdestillation aus den frischen Blättern und dünnen Zweigen gewonnen. Das Pflanzenmaterial wird geerntet, grob zerkleinert und im Dampfstrom behandelt, wobei die flüchtigen ätherischen Bestandteile freigesetzt und im Kondensat aufgefangen werden. Die Ausbeute ist vergleichsweise gering, für einen Liter Öl werden größere Mengen an Blattmaterial benötigt, was Myrtenöl zu einem eher kostbaren, aber gut verfügbaren Naturstoff macht.

Je nach Herkunft und Erntezeitpunkt variiert das Öl in seiner Zusammensetzung deutlich, weshalb Parfümeure zwischen grüneren, schärferen Chargen und milderen, süßlicheren Qualitäten wählen können, um den gewünschten Charakter präzise zu treffen.

Geschichte in der Parfümerie

Myrte begleitet die Menschheit seit der Antike als Symbolpflanze der Liebe und Reinheit, geweiht der griechischen Göttin Aphrodite und Bestandteil zahlreicher Brautkränze bis in die europäische Neuzeit hinein. Bereits im alten Ägypten und im römischen Reich fand das aromatische Blatt Verwendung in Ölen und Salben. In der modernen Parfümerie etablierte sich Myrte vor allem im 20. Jahrhundert als grüne, mediterrane Ergänzung zu klassischen Kräuter und Fougère-Kompositionen, oft im Verbund mit Lorbeer, Wacholder und Zypresse, um südländische, maskuline Frische zu erzeugen. Bis heute gilt sie als verlässlicher Baustein für Düfte, die eine unverfälschte, naturbelassene Kräuterfrische anstreben.

Position und Verhalten im Duft

Myrte agiert überwiegend als Kopfnote mit Ausläufern in die Herznote, da ihr ätherisches Profil recht flüchtig ist, aber durch seine kräuterig-harzige Tiefe länger wahrnehmbar bleibt als reine Zitrusnoten. In den ersten Minuten sorgt sie für den charakteristischen grünen, fast scharfen Auftakt eines Duftes, bevor sie sich zurückzieht und den nachfolgenden Herznoten den Vortritt lässt. Funktional dient Myrte häufig als frisches Bindeglied zwischen Zitrusakkorden und holzig-krautigen Basen, indem sie deren Übergang glättet und dem gesamten Aufbau eine mediterrane, natürliche Note verleiht, die künstlich wirkende Frische vermeidet.

Klassische Kombinationen

Myrte harmoniert besonders gut mit anderen mediterranen Kräutern wie Rosmarin, Lorbeer und Thymian, mit denen sie klassische Fougère- und Kräuterakkorde bildet. In Zitrus-Kompositionen ergänzt sie Bergamotte und Zitrone um eine grüne, herbere Facette, während sie in Kombination mit Wacholder und Zypresse holzig-frische, fast alpine Akkorde erzeugt. Auch zu warmen Basen wie Vetiver, Zedernholz oder Moschus fügt sie sich gut ein, da ihr grüner Auftakt einen reizvollen Kontrast zur Tiefe dieser Noten schafft. Seltener, aber wirkungsvoll, trifft Myrte auf Lavendel und bildet so einen kühl-krautigen, fast klinisch-frischen Akkord.

Facetten und Varianten

Myrtenöl gibt es in mehreren Qualitäten, die sich in ihrem Charakter deutlich unterscheiden. Grüne, korsische Chargen wirken schärfer und campherartiger, während marokkanisches Öl oft milder und leicht süßlicher ausfällt. Manche Destillate betonen die krautig-harzige Seite und erinnern stärker an Lorbeer, andere wiederum zeigen eine zartere, fast blumig-grüne Nuance, die an frisches Buschwerk nach Regen erinnert. In der Parfümerie wird Myrte gelegentlich auch als abgerundeter, weicherer Akkord eingesetzt, bei dem die schärferen campherartigen Spitzen bewusst zurückgenommen werden, um eine sanftere, alltagstauglichere Frische zu erzielen.

Für wen Myrte die richtige Wahl ist

Myrte eignet sich für alle, die frische, mediterrane Düfte mit Charakter suchen, die über gewöhnliche Zitrusfrische hinausgehen. Sie passt zu Menschen, die naturnahe, krautige Aromen schätzen und einen Duft wollen, der an einen Spaziergang durch die Macchia oder einen Garten voller Kräuter erinnert, statt an synthetisch-süße Frische. Besonders reizvoll ist Myrte für Alltag, Büro und warme Jahreszeiten, wenn ein unaufdringlicher, klarer Auftakt gefragt ist. Wer herausfinden möchte, ob grüne Kräuternoten wie Myrte zum eigenen Profil passen, findet Orientierung im Duft-Quiz. Mehr zum Zusammenspiel von Kopf-, Herz- und Basisnoten erklärt der Ratgeber Duftpyramide lesen.

Wusstest du?

Für die Praxis

Trage Myrten-Düfte am Puls auf und gib ihnen ein bis zwei Minuten Zeit, bevor du urteilst: Der erste scharfe, grüne Auftakt wird schnell weicher und krautig-warm.

Steckbrief auf einen Blick

Riecht nachgrün, herb, leicht campherartig, mediterran-kräuterig
DuftfamilieHolz & Erde
Typische PositionKopfnote mit Übergang zur Herznote
Kombiniert mitRosmarin, Lorbeer, Wacholder, Zypresse, Vetiver, Bergamotte
HerkunftMyrtus communis, Mittelmeerraum (Korsika, Sardinien, Marokko)
GewinnungWasserdampfdestillation der Blätter und jungen Zweige
Gut zu wissenDer griechischen Aphrodite geweiht, seit der Antike Symbol für Liebe und Reinheit

Düfte mit Myrte

Diese Note steckt in 1 von 139 Düften im Katalog. Eine Auswahl:

Häufige Fragen

Wonach riecht Myrte im Parfüm?

Myrte riecht grün, herb und leicht campherartig, mit einer kräuterigen, fast harzigen Tiefe, die an Lorbeer und mediterranes Buschwerk erinnert.

Ist Myrte eine Kopf- oder Basisnote?

Myrte gilt vor allem als Kopfnote mit Ausläufern in die Herznote, da ihr grüner, ätherischer Charakter zwar flüchtig ist, aber länger wahrnehmbar bleibt als reine Zitrusfrische.

Womit lässt sich Myrte gut kombinieren?

Myrte harmoniert besonders mit anderen mediterranen Kräutern wie Rosmarin und Lorbeer, mit Zitrusnoten wie Bergamotte sowie mit holzigen Basen wie Vetiver und Zedernholz.

Neugierig, ob grüne Kräuternoten wie Myrte zu deinem Duftprofil passen? Finde es im Duft-Quiz heraus.

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Von Matthias Schramm · Persönliche Duftberatung aus Dessau-Roßlau · Zuletzt aktualisiert im Juli 2026

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