Duftmoment

Duftlexikon · Süße & Gourmand-Noten

Lakritz im Parfüm: würzig, harzig, betörend

Lakritz riecht süß, anisig und leicht bitter, wie eine Mischung aus Wurzelholz, schwarzem Zucker und Rauch.

Süßholzwurzel-Stangen, schwarze Lakritz und Sternanis auf dunklem Untergrund
Lakritzwurzel und Anis: die botanische Basis eines der eigenwilligsten Gourmand-Akkorde der Parfümerie
Die kurze Antwort

Lakritz ist eine würzig-süße Gourmand-Note mit anisiger, leicht bitterer und harzig-rauchiger Facette. Sie sitzt meist in der Basis des Duftes, manchmal auch im Herzen, und verleiht Kompositionen eine dunkle, fast schwarze Süße, die an Wurzelholz und Kräuterbonbons erinnert, ohne je kindlich zu wirken.

So riecht Lakritz: drei Alltagsvergleiche

Lakritz entfaltet einen Geruch, der viele überrascht, sobald sie ihn isoliert wahrnehmen: nicht rein süß, sondern erdig-würzig mit einer bitteren, fast medizinischen Kante. Am ehesten erinnert er an schwarze Lakritzschnecken aus dem Süßwarenladen, deren klebrig-harzige Süße sich mit einem Hauch Salmiak mischt. Dazu kommt die trockene, holzige Note frisch aufgebrochener Wurzelstücke aus dem Kräuterregal, leicht staubig und erdig. Und schließlich der anisige Zug, der stark an Anisplätzchen aus der Weihnachtsbäckerei denken lässt, warm, süß und ein wenig brotig.

Im Duftverlauf zeigt sich Lakritz zunächst kühl und scharf durch die anisigen Kopfmolekeln, wird dann zunehmend warm, harzig und rund, je länger sie auf der Haut liegt. Diese Wandlung von frisch-würzig zu dunkel-süß macht ihren Reiz aus.

Herkunft und Botanik

Die Lakritzwurzel stammt von Glycyrrhiza glabra, einem tiefwurzelnden Schmetterlingsblütler, der ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum und Vorderasien beheimatet ist und heute vor allem in der Türkei, im Iran, in Usbekistan sowie in Südeuropa kultiviert wird. Die Pflanze wird bis zu einem Meter hoch, treibt violette Blüten und bildet unterirdisch lange, holzige Wurzelausläufer, die den namensgebenden süßen Wirkstoff Glycyrrhizin enthalten, ein Stoff, der bis zu fünfzigmal süßer schmeckt als Haushaltszucker. In der Parfümerie wird der typische Lakritzgeruch allerdings meist nicht aus der Pflanze selbst, sondern über einen komponierten Akkord erzeugt.

Gewinnung: ein komponierter Akkord statt reiner Extrakt

Reine Lakritzwurzel liefert vor allem Süße und einen erdig-holzigen Unterton, kaum aber das markante anisig-schwarze Aroma, das man mit Lakritzbonbons verbindet. Parfümeure bauen die Note deshalb ehrlicherweise meist als Akkord auf: Anethol aus Sternanis oder Fenchel liefert die süß-würzige Kopfnote, Guajakholz oder Cade-Öl steuern die rauchig-harzige Tiefe bei, und Spuren von Salmiak- oder schwefeligen Molekülen sorgen für die charakteristische bittere Kante. Manche Kompositionen nutzen zudem einen dünnflüssigen Lakritzwurzel-Extrakt als süßes, erdiges Fundament. Das Ergebnis ist eine Effektnote, die den Geruch von Lakritz-Süßwaren täuschend echt nachbildet, ohne dass reine Botanik allein dies leisten könnte.

Geschichte in der Parfümerie

Anisige und lakritzartige Facetten sind der Parfümerie seit Langem vertraut, vor allem über den Umweg von Absinth- und Kräuterlikör-Anklängen in Fougère-Kompositionen des späten 19. Jahrhunderts. Als eigenständige, klar erkennbare Gourmand-Note etablierte sich Lakritz jedoch erst mit dem Aufschwung der Gourmand-Parfümerie in den 1990er Jahren, als süße Speisen und Süßwaren zum festen Bestandteil der Duftpalette wurden. Seither taucht die Note wiederkehrend in dunklen, orientalisch geprägten Kompositionen auf, oft kombiniert mit Tabak oder Rum, um Kompositionen eine erwachsene, leicht rauchige Süße zu verleihen, die sich klar von kindlicher Zuckrigkeit abgrenzt.

Position und Verhalten im Duft

Lakritz sitzt meist in der Basis eines Duftes, gelegentlich reicht sie bis ins Herz hinein, wenn anisige Kopfaspekte mit einbezogen werden. Als eher schwerflüchtige Note mit mittlerer bis guter Haftung trägt sie zur Tiefe und Wärme eines Duftverlaufs bei und entfaltet ihre volle Wirkung erst nach den ersten Minuten, wenn die frischen Kopfnoten verklungen sind. Funktional dient Lakritz häufig als Brücke zwischen würzigen und harzig-holzigen Elementen, sie rundet ab, verdunkelt und verleiht Kompositionen einen leicht schweren, sinnlichen Charakter, der lange auf der Haut verweilt.

Klassische Kombinationen

Lakritz harmoniert besonders gut mit anderen dunklen Gourmand- und Gewürznoten wie Tonkabohne, Vanille und Kakao, mit denen sie süße, warme Basisakkorde bildet. In würzige Richtung verbindet sie sich mit Zimt, Kardamom und schwarzem Pfeffer zu orientalischen Chai-artigen Akkorden. Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel mit rauchigen und ledrigen Noten wie Tabak und Leder, das dunkle, fast whiskyartige Kompositionen ergibt. Auch holzige Basen wie Guajak- oder Sandelholz nehmen die Note gerne auf und verlängern ihre harzige Tiefe.

Facetten und Varianten

Innerhalb der Lakritz-Akkorde unterscheiden Parfümeure mehrere Nuancen: eine süße, bonbonartige Facette, die stark an klassische Lakritzschnecken erinnert und meist über Anethol gesteuert wird, eine trockene, wurzelig-erdige Facette, die näher an der botanischen Wurzel selbst liegt, sowie eine rauchig-teerige Facette, die über Cade- oder Birkenteer-Anklänge erzeugt wird und der Note eine fast salzige, mineralische Kante verleiht. Manche Kompositionen betonen zudem eine leicht salzige, salmiakartige Bitterkeit, die Lakritz von rein süßen Gourmand-Noten deutlich abhebt und ihr Charakter statt Kitsch verleiht.

Für wen Lakritz die richtige Wahl ist

Lakritz eignet sich für alle, die Gourmand-Düfte mögen, aber klassische Vanille-Süße als zu brav empfinden. Sie passt zu kühlen Abenden, zur kalten Jahreszeit und zu Anlässen, bei denen ein Duft Charakter und eine gewisse dunkle Komplexität zeigen darf, etwa bei einem Abendessen oder einem Konzertbesuch. Wer unsicher ist, ob diese eigenwillige Note zum eigenen Geschmack passt, findet über das Duft-Quiz passende Empfehlungen. Mehr zum Zusammenspiel von Kopf-, Herz- und Basisnoten erklärt der Ratgeber Duftpyramide lesen.

Wusstest du?

Für die Praxis

Wer Lakritz im Parfüm mag, sollte gezielt nach Kompositionen mit Tabak, Tonkabohne oder Rum suchen, da diese Kombination die harzig-süße Wirkung der Note am eindrücklichsten zur Geltung bringt.

Steckbrief auf einen Blick

Riecht nachschwarzer Lakritzschnecke, Anisplätzchen, trockener Wurzel
DuftfamilieSüße & Gourmand-Noten
Typische PositionBasis, teils Herz
Kombiniert mitTonkabohne, Tabak, Zimt, Sandelholz
HerkunftGlycyrrhiza glabra, Mittelmeerraum bis Vorderasien
Gewinnungkomponierter Akkord aus Anethol, Guajakholz und Wurzelextrakt
Gut zu wissenreine Lakritzwurzel liefert kaum das typische Bonbon-Aroma, es wird meist nachgebaut

Düfte mit Lakritz

Diese Note steckt in 3 von 139 Düften im Katalog. Eine Auswahl:

Häufige Fragen

Wonach riecht Lakritz im Parfüm?

Lakritz riecht süß, anisig und leicht bitter, mit einer erdig-holzigen und manchmal rauchigen Tiefe, ähnlich wie schwarze Lakritzschnecken oder Anisplätzchen, allerdings deutlich weniger zuckrig als reine Süßwaren.

Ist Lakritz im Parfüm eine natürliche oder synthetische Note?

Meist ein Akkord aus beidem: Der süße Grundton stammt oft von Anethol aus Anis oder Fenchel, die harzige Tiefe von Guajakholz, ergänzt durch echten Wurzelextrakt der Pflanze Glycyrrhiza glabra.

Zu welchen anderen Noten passt Lakritz gut?

Besonders gut harmoniert Lakritz mit Tonkabohne, Vanille, Kakao, Zimt, Tabak und Leder, mit denen sie dunkle, warme Gourmand- und Chypre-artige Akkorde bildet.

Unsicher, ob Lakritz zu deinem Duftprofil passt? Das Duft-Quiz zeigt es in zwei Minuten.

Zum Weiterlesen

Alle Duftlexikon-Themen ansehen

Von Matthias Schramm · Persönliche Duftberatung aus Dessau-Roßlau · Zuletzt aktualisiert im Juli 2026

↑ Nach oben