Duftlexikon · Herstellung & Handwerk
IFRA: die Sicherheitsregeln der Parfümerie
Warum riecht ein Klassiker heute anders als vor dreißig Jahren? Meistens steckt keine Sparmaßnahme dahinter, sondern eine Mengenbegrenzung.

IFRA ist der Branchenverband der Duftstoffindustrie. Er legt fest, welche Riechstoffe in welcher Höchstmenge eingesetzt werden dürfen, und stützt sich dabei auf wissenschaftliche Sicherheitsbewertungen. Deshalb werden Rezepturen im Lauf der Jahre angepasst, und deshalb stehen bestimmte Duftstoffe als Allergene auf der Verpackung.
Was IFRA genau macht
Die International Fragrance Association ist der internationale Verband der Duftstoffhersteller. Sie gibt einen Regelkatalog heraus, der für jeden Riechstoff festlegt, ob und in welcher Höchstkonzentration er verwendet werden darf. Grundlage sind wissenschaftliche Sicherheitsbewertungen, insbesondere zum allergenen Potenzial und zur Hautverträglichkeit.
Die Standards sind eine Selbstverpflichtung der Branche, gelten aber praktisch als verbindlich, weil sich Hersteller und Abnehmer daran orientieren. Parallel dazu regelt die EU-Kosmetikverordnung, welche Stoffe grundsätzlich zulässig sind und welche gekennzeichnet werden müssen.
Wichtig für die Einordnung: Es geht dabei fast nie um Verbote, sondern um Mengen. Ein Stoff ist selten pauschal verboten, meist ist er auf einen bestimmten Prozentanteil begrenzt.
Warum Klassiker sich verändern
Wenn für einen Rohstoff eine niedrigere Höchstmenge festgelegt wird, muss jede Rezeptur angepasst werden, die ihn oberhalb dieser Grenze enthält. Der Parfümeur ersetzt den fehlenden Anteil dann durch andere Bausteine, die möglichst ähnlich wirken. Das Ergebnis ist nah am Original, aber selten identisch.
Das bekannteste Beispiel ist Eichenmoos, das Rückgrat der klassischen Chypre- und Fougère-Düfte. Seine Verwendung ist heute deutlich stärker begrenzt als früher, weshalb moderne Varianten dieser Familien heller und weniger erdig ausfallen als die Klassiker der 1970er Jahre. Ähnliches gilt für Zimt und einige Zitrusöle, die hautreizend wirken können.
Für dich als Träger heißt das: Wenn ein Duft, den du vor Jahren kanntest, heute anders wirkt, liegt das nicht zwangsläufig an deiner Erinnerung. Rezepturen werden tatsächlich überarbeitet.
Was das für deinen Duft heißt
Auf der Verpackung findest du die Auswirkung in Form der Allergenkennzeichnung. Bestimmte Duftstoffe müssen ab einer festgelegten Konzentration namentlich aufgeführt werden, etwa Limonene, Linalool oder Citral. Diese Namen klingen technisch, bezeichnen aber häufig natürliche Bestandteile von Zitrusölen und Lavendel.
Wer empfindlich auf Duftstoffe reagiert, findet dort also einen Anhaltspunkt. Eine Diagnose ersetzt das nicht, dafür ist der Hautarzt zuständig. Praktische Hinweise zum vorsichtigen Testen stehen in Welcher Duft passt zu mir, wenn ich schwere Düfte nicht vertrage?
Wenn du empfindlich reagierst, teste neue Düfte zuerst in der Armbeuge statt am Hals und lass sie dort einen Tag. Diese Stelle ist unauffällig, gut beobachtbar und nah genug am Gesicht, um den Duft zu beurteilen. Notier dir bei Reaktionen den Namen des Duftes und vergleich später die Allergenliste auf den Verpackungen. Oft taucht derselbe Stoff mehrfach auf.
Die Frage nach Inhaltsstoffen kommt selten, aber wenn sie kommt, ist sie ernst gemeint. Ich verweise dann konsequent auf die Angaben des Herstellers und auf die Verpackung, statt selbst zu interpretieren. Was ich beitragen kann, ist die Einordnung: Dass ein Duft eine Allergenliste hat, ist normal und kein Warnsignal. Auffällig wäre eher das Gegenteil.
Häufige Fragen
Sind IFRA-Standards gesetzlich verbindlich?
Sie sind eine Selbstverpflichtung der Branche, werden aber praktisch flächendeckend eingehalten. Daneben gilt in der EU die Kosmetikverordnung, die rechtlich bindend ist.
Bedeutet eine Allergenkennzeichnung, dass der Duft schädlich ist?
Nein. Sie zeigt an, dass bestimmte Stoffe oberhalb einer Schwelle enthalten sind, damit Menschen mit bekannter Empfindlichkeit sie erkennen können. Für alle anderen ist sie ohne Bedeutung.
Warum riecht mein alter Lieblingsduft heute anders?
Möglicherweise wurde die Rezeptur an geänderte Höchstmengen angepasst. Daneben spielen aber auch das Alter des Flakons und die eigene Wahrnehmung eine Rolle.
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Von Matthias Schramm · Persönliche Duftberatung aus Dessau-Roßlau · Zuletzt aktualisiert im August 2026
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