Duftlexikon · Grün & Aromatisch
Davana im Parfüm: fruchtig, weinig, betörend
Davana riecht fruchtig-weinig wie reife Pflaumen in Cognac, mit einer warmen, fast animalischen Tiefe darunter.

Davana ist eine indische Aromapflanze, deren Öl fruchtig, weinig und leicht animalisch riecht, fast wie eingekochte Pflaumen mit einem Hauch Tabak. In der Duftpyramide sitzt sie meist in der Herznote, manchmal in der Basis, wo sie Fruchtakkorde eine ungewöhnliche, warme Tiefe verleiht.
So riecht Davana: drei Alltagsvergleiche
Davana überrascht, denn kaum eine Naturessenz riecht so vielschichtig und schwer greifbar zugleich. Der erste Eindruck erinnert an eingekochte Pflaumen in Rotwein, süß, dunkel, mit einer leichten weinigen Säure, die an gärendes Obst denkt lässt. Gleichzeitig schwingt eine Note mit, die an getrocknete Feigen mit Tabak erinnert, warm, ledrig, fast rauchig in der Anmutung. Wer genauer hineinriecht, entdeckt zudem etwas, das an reifen Balsamico-Essig gemahnt, konzentriert, fruchtig und mit einer feinen Säurespitze.
Über die Zeit verändert sich Davana auffällig stark: Der frische Auftakt wirkt grün und krautig, kippt dann rasch ins Fruchtig-Weinige und legt in der Trockenphase eine warme, fast animalische Süße frei, die manche Parfümeure mit Honig oder reifem Tabak vergleichen.
Herkunft und Botanik
Davana, botanisch Artemisia pallens, gehört zur Gattung der Beifußgewächse und ist damit botanisch mit Wermut und Estragon verwandt, riecht aber völlig anders als diese herb-bitteren Verwandten. Die einjährige, krautige Pflanze wird nur wenige Handbreit hoch und trägt kleine, unscheinbare gelbe Blütenköpfchen. Ihre Heimat liegt in Südindien, vor allem im Bundesstaat Karnataka, wo sie seit Generationen in kleinbäuerlichen Betrieben angebaut wird. Dort gedeiht sie auf trockenen, sonnigen Feldern und wird traditionell auch für religiöse und rituelle Zwecke kultiviert, ihre Blüten schmücken bis heute Girlanden für Tempelfeste und Hochzeiten in der Region.
Gewinnung: Wasserdampfdestillation der Blüten
Für das begehrte Davanaöl werden die frischen, blühenden Triebspitzen kurz vor der Vollblüte geerntet, denn nur zu diesem Zeitpunkt entwickeln sie ihr charakteristisches Aroma in voller Intensität. Anschließend erfolgt die Wasserdampfdestillation, ein traditionelles Verfahren, das in Indien meist noch in kleineren, oft dezentralen Destillerien nahe den Anbaugebieten durchgeführt wird. Die Ausbeute ist gering und stark witterungsabhängig, was Davanaöl zu einem der teureren Naturstoffe der Parfümerie macht. Besonders ungewöhnlich: Der Duft des Öls verändert sich mit der Lagerung, gealtertes Davanaöl entwickelt eine noch tiefere, weinigere und rundere Facette als frisch destilliertes.
Geschichte in der Parfümerie
Davana ist ein vergleichsweise junger Rohstoff der westlichen Parfümerie und fand erst ab den 1980er-Jahren breiteren Einzug in europäische und amerikanische Kompositionen, obwohl die Pflanze in Indien seit Jahrhunderten kultiviert wird. Parfümeure entdeckten in ihr eine Möglichkeit, Fruchtnoten eine natürliche, komplexe Tiefe zu verleihen, die synthetische Fruchtaromen allein selten erreichen. In den 1990er- und 2000er-Jahren etablierte sich Davana zunehmend als Geheimtipp unter Nischenparfümeuren, die nach ungewöhnlichen, weinig-fruchtigen Akzenten für orientalische und gourmand-inspirierte Kompositionen suchten. Bis heute bleibt sie ein Nischenrohstoff, geschätzt vor allem von Kennern und Kreateuren, die auf der Suche nach unverwechselbaren Facetten sind.
Position und Verhalten im Duft
Davana wird meist in der Herznote eingesetzt, mit gelegentlichen Ausläufern in die Basis, da sie eine mittlere bis niedrige Flüchtigkeit besitzt und noch Stunden nach dem Auftragen leise nachklingt. Ihre Funktion in der Komposition ist selten die des Hauptdarstellers, vielmehr wirkt sie als Verstärker und Verbinder: Sie unterlegt Fruchtakkorde mit einer weinigen Tiefe, die diese natürlicher und weniger eindimensional wirken lässt. In geringer Dosierung sorgt sie für ein diffuses, warmes Strahlen im Duftbild, in höherer Konzentration tritt ihre animalisch-lederne Facette deutlicher hervor und verleiht dem Gesamtduft eine sinnliche, fast rauchige Reife.
Klassische Kombinationen
Davana entfaltet ihr Potenzial besonders in Kombination mit anderen Fruchtnoten wie Pflaume, Aprikose oder schwarzer Johannisbeere, denen sie eine weinige, komplexe Tiefe verleiht, die über einfache Fruchtigkeit hinausgeht. In orientalischen Kompositionen harmoniert sie mit Ambra, Tonkabohne und Labdanum zu warmen, balsamischen Akkorden. Auch die Verbindung mit Rose oder Jasmin ist beliebt, da Davana blumigen Herznoten eine ungewöhnliche fruchtig-weinige Facette beimischt. In holzig-ledrigen Kompositionen unterstreicht sie zusammen mit Patchouli oder Vetiver die animalische, erdige Seite des Duftes und sorgt für zusätzliche Tiefe und Charakter.
Facetten und Varianten
Davanaöl variiert je nach Erntezeitpunkt, Herkunftsregion und Alter der Destillation erheblich in seiner Nuancierung. Frisch destilliertes Öl wirkt grüner, krautiger und fruchtig-frischer, während gereiftes Davanaöl, das mehrere Monate bis Jahre gelagert wurde, eine deutlich rundere, weinigere und tiefere Süße entwickelt, von manchen Parfümeuren als „gealtert wie guter Wein“ beschrieben. Manche Qualitäten zeigen eine stärker ausgeprägte tabakig-ledrige Facette, andere betonen die fruchtig-pflaumige Seite. Diese Bandbreite macht Davana zu einem vielseitigen, aber auch anspruchsvollen Rohstoff, dessen Einsatz Erfahrung und ein feines Gespür für die jeweilige Charge erfordert.
Für wen Davana die richtige Wahl ist
Davana eignet sich für alle, die Fruchtnoten nicht süßlich-glatt, sondern mit Charakter und Tiefe mögen, für Momente, in denen ein Duft warm, sinnlich und ein wenig geheimnisvoll wirken soll. Besonders reizvoll ist sie in Kompositionen für kühlere Jahreszeiten oder abendliche Anlässe, wenn ihre weinig-animalische Facette voll zur Geltung kommt. Wer noch unsicher ist, welche Duftfamilie zur eigenen Persönlichkeit passt, findet über das Duft-Quiz eine erste Orientierung. Mehr über die Position von Noten wie Davana im Gesamtaufbau eines Duftes erklärt der Ratgeber Duftpyramide lesen.
Wusstest du?
Teste Davana-lastige Düfte am besten auf der Haut statt nur am Blotter, denn ihre weinig-animalische Tiefe entfaltet sich erst im Zusammenspiel mit der eigenen Körperwärme voll.
Steckbrief auf einen Blick
Düfte mit Davana
Diese Note steckt in 1 von 139 Düften im Katalog. Eine Auswahl:
Häufige Fragen
Wonach riecht Davana im Parfüm?
Davana riecht fruchtig und weinig, ähnlich eingekochten Pflaumen in Rotwein, mit einer warmen, leicht animalischen und tabakigen Tiefe darunter.
Ist Davana eine natürliche oder synthetische Duftnote?
Davana ist eine echte Naturessenz, gewonnen durch Wasserdampfdestillation der Blüten der Pflanze Artemisia pallens, die vor allem in Südindien angebaut wird.
In welchen Duftrichtungen findet man Davana häufig?
Davana taucht vor allem in fruchtig-orientalischen und gourmand-inspirierten Kompositionen auf, wo sie Frucht- und Ambranoten eine ungewöhnliche weinige Tiefe verleiht.
Zum Weiterlesen
- Pflaume im Parfüm: samtig, dunkelfruchtig, verführerisch
- Rose im Parfüm: die Königin der Blumen
- Wie liest man eine Duftpyramide richtig?
Alle Duftlexikon-Themen ansehen
Von Matthias Schramm · Persönliche Duftberatung aus Dessau-Roßlau · Zuletzt aktualisiert im Juli 2026