Duftmoment

Duftlexikon · Würzige Noten

Anis im Parfüm: würzig, süßlich, warm

Anis riecht süß, würzig und leicht kühl, wie frisch gebrochenes Lakritz mit einem Hauch Fenchel.

Sternanis-Kapseln und getrocknete Anissamen auf dunklem Holzbrett neben einem Parfümflakon
Sternanis und Anissamen: die würzige Süße hinter vielen orientalischen Kompositionen
Die kurze Antwort

Anis bringt eine süßlich-würzige Lakritznote in Parfüms, oft warm und leicht kampferartig zugleich. In der Duftpyramide sitzt die Note meist in Kopf und Herz, seltener in der Basis, und verleiht orientalischen wie würzig-frischen Kompositionen ihre charakteristische, fast medizinisch-süße Kühle.

So riecht Anis: drei Alltagsvergleiche

Wer an Anis denkt, hat meist sofort schwarze Lakritzschnecken im Kopf, jenen süßlich-herben Geschmack, der auf der Zunge kühl und würzig zugleich wirkt. Im Parfüm zeigt sich genau dieser Charakter: eine süße, leicht harzige Facette, die an frisch aufgebrochene Sternanis-Kapseln erinnert, wie man sie im Winter Glühwein beigibt. Der dritte Vergleich führt in die Backstube: Pfeffernüsse und Anisplätzchen, deren würzige Süße sich beim Backen im ganzen Haus verteilt.

Zu Beginn wirkt Anis kühl, fast mentholartig, mit einer deutlichen Süße, die nie klebrig wird. Im Verlauf verliert die Note ihre Schärfe und legt sich als warmer, runder Akkord über die Komposition, der eher an Gewürzkuchen als an Bonbon erinnert.

Herkunft und Botanik

Was in der Parfümerie meist als „Anis“ bezeichnet wird, stammt in der Praxis fast immer von zwei verschiedenen Pflanzen, deren Aroma sich chemisch stark ähnelt. Der klassische Anis, Pimpinella anisum, ist ein einjähriges Doldengewächs aus dem östlichen Mittelmeerraum, das heute vor allem in Spanien, der Türkei und Ägypten kultiviert wird. Deutlich häufiger im Einsatz ist jedoch der Sternanis, Illicium verum, ein immergrüner Baum aus Südchina und Vietnam, dessen sternförmige Fruchtkapseln wesentlich ergiebiger sind. Beide Pflanzen verdanken ihren Geruch demselben Hauptbestandteil, dem Molekül Anethol, weshalb sie duftlich kaum zu unterscheiden sind.

Gewinnung: Wasserdampfdestillation der Samen

Für das ätherische Öl werden die reifen Samen von Anis oder die getrockneten Fruchtkapseln des Sternanis per Wasserdampfdestillation behandelt. Das Verfahren liefert eine vergleichsweise hohe Ausbeute, da beide Pflanzenteile reich an Anethol sind, jenem kristallinen Aromastoff, der bei kühleren Temperaturen sogar ausflocken kann und vor der Verwendung leicht erwärmt werden muss. In der modernen Parfümerie wird häufig auch isoliertes Anethol direkt eingesetzt, gewonnen aus dem Naturöl oder synthetisch nachgebaut, was eine gleichbleibende Qualität und Dosierbarkeit sichert. Beide Wege, Naturdestillat und isoliertes Molekül, führen zu einem nahezu identischen, klar süßlich-würzigen Geruchseindruck.

Geschichte in der Parfümerie

Anis begleitet die Parfümkunst seit der Antike, als aromatische Öle mit Gewürznoten in Ägypten und im Mittelmeerraum sowohl kosmetisch als auch rituell verwendet wurden. Im Mittelalter schätzte man Anis vor allem in der Klosterheilkunde und in gewürzten Likören, eine Tradition, die sich bis in die Parfümerie des 19. Jahrhunderts fortsetzte, als würzig-süße Akkorde in Herrendüften populär wurden. Im 20. Jahrhundert fand die Note vor allem in Fougère-Kompositionen und in mediterran inspirierten Düften ihren Platz, oft kombiniert mit Lavendel und Kräuternoten. Heute erlebt Anis, gemeinsam mit anderen Lakritz- und Süßholzfacetten, in modernen Gourmand- und orientalischen Düften eine spürbare Renaissance.

Position und Verhalten im Duft

Anis entfaltet sich meist rasch und ist bereits im Kopf deutlich wahrnehmbar, hält sich dank seiner mittleren Flüchtigkeit aber gut bis ins Herz der Komposition. Als reines Anethol verflüchtigt es sich schneller als schwere Basisnoten, weshalb es selten allein das Fundament eines Duftes bildet. Seine Funktion ist häufig die eines Brückenbauers: Es verbindet frische, würzige Kopfnoten mit süßeren, wärmeren Akkorden im Herzen und sorgt für einen weichen Übergang, der die Komposition zusammenhält, ohne selbst dominant zu wirken.

Klassische Kombinationen

Anis harmoniert klassisch mit anderen Würznoten wie Koriander, Kardamom und Zimt, mit denen es warme, orientalisch anmutende Akkorde bildet. In würzig-frischen Kompositionen begegnet man ihm oft an der Seite von Lavendel und Basilikum, was an mediterrane Kräutergärten erinnert. Besonders reizvoll ist die Verbindung mit süßen Gourmand-Noten wie Vanille, Tonkabohne oder Lakritz, die die natürliche Süße des Anethols verstärken und einen Dessert-ähnlichen Charakter erzeugen. Auch zu holzigen Basen wie Sandelholz oder Zedernholz fügt sich Anis überraschend gut, da sein kühler, würziger Charakter dem Holz eine spannende Kontrastnote verleiht.

Facetten und Varianten

Nicht jeder Anis riecht gleich: Öl aus echtem Anis (Pimpinella anisum) wirkt oft etwas grüner und leicht krautiger, während Sternanis-Öl runder und süßer erscheint, fast wie konzentriertes Lakritz. Parfümeure unterscheiden zudem zwischen dem naturbelassenen Öl, das durch Spurenstoffe eine gewisse Komplexität und Wärme mitbringt, und isoliertem Anethol, das klarer und geradliniger riecht. In manchen Kompositionen wird die Note bewusst mit Fenchelnoten verschnitten, die einen verwandten, aber etwas frischeren Akzent setzen und die süße Schwere des Anis auflockern.

Für wen Anis die richtige Wahl ist

Anis eignet sich für alle, die würzig-süße Düfte mit Charakter mögen, etwas Unkonventionelles jenseits der üblichen Vanille- und Karamell-Süße. Besonders in der kalten Jahreszeit entfaltet die Note ihre volle Wirkung und passt zu Anlässen, bei denen ein Duft Wärme und eine gewisse Eigenwilligkeit ausstrahlen soll. Wer noch unsicher ist, welches Duftprofil am besten passt, findet im Duft-Quiz eine gute Orientierung. Mehr über das Zusammenspiel von Kopf-, Herz- und Basisnoten erklärt der Ratgeber Duftpyramide lesen.

Wusstest du?

Für die Praxis

Anis-betonte Düfte am besten im Winter oder Abend tragen: Die würzige Süße wirkt bei Kälte konzentrierter und harmoniert dann besonders gut mit Wolle, Kerzenlicht und Gewürzgebäck.

Steckbrief auf einen Blick

Riecht nachLakritz, Sternanis, süßem Gewürz mit kühlem Unterton
DuftfamilieWürzige Noten
Typische PositionKopf bis Herz
Kombiniert mitKardamom, Zimt, Lavendel, Vanille, Sandelholz
HerkunftPimpinella anisum (Mittelmeerraum) und Illicium verum (Südchina, Vietnam)
GewinnungWasserdampfdestillation von Samen bzw. Fruchtkapseln, oder isoliertes Anethol
Gut zu wissenEchter Anis und Sternanis riechen fast identisch, da beide vom Molekül Anethol dominiert werden

Düfte mit Anis

Diese Note steckt in 3 von 139 Düften im Katalog. Eine Auswahl:

Häufige Fragen

Wonach riecht Anis im Parfüm?

Anis riecht süßlich-würzig und leicht kühl, vergleichbar mit schwarzer Lakritze oder frisch aufgebrochenem Sternanis, mit einer warmen, gewürzähnlichen Tiefe.

Ist Anis im Parfüm dasselbe wie Sternanis?

Duftlich kaum zu unterscheiden: Beide Pflanzen enthalten überwiegend Anethol als Aromaträger, auch wenn es sich botanisch um verschiedene Gewächse handelt.

Zu welchen Düften passt Anis am besten?

Anis harmoniert besonders gut mit warmen Gewürzen wie Kardamom und Zimt, mit süßen Basisnoten wie Vanille und Tonkabohne sowie mit frischen Kräutern wie Lavendel.

Unsicher, ob würzige Noten wie Anis zu dir passen? Das Duft-Quiz zeigt in wenigen Fragen dein persönliches Duftprofil.

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Von Matthias Schramm · Persönliche Duftberatung aus Dessau-Roßlau · Zuletzt aktualisiert im Juli 2026

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